Sonnenfotografie am Tag
Ich habe mich heute tagsüber mit Sonnenfotografie beschäftigt. Zumindest soweit es die Wolkenlücken zugelassen haben. Zunächst habe ich mit dem Coronado PST 400 und der ASI 120 MC‑S versucht, ein vernünftiges Ergebnis herauszubekommen. Der Fokuspunkt ist jedoch nach wie vor sehr schwer zu treffen. Im Anschluss habe ich dann noch mit dem Seestar ein kurzes Video der Sonne gemacht und dieses dann in Autostakkert zu einem Bild gestakkt. Nach meiner Sonnenbeschäftigung habe ich die Zeit genutzt und bin ein wenig über den Platz gelaufen und habe mich hier und dort mit anderen Astrofreunden ausgetauscht.
Überraschend klarer Abendhimmel
Die Vorhersage für die Nacht war heute nicht so gut. Es sollte lediglich ein Zeitfenster von 1–2 Stunden geben, in dem klarer Himmel vorausgesagt wurde. Als es dann dunkel wurde, war der Himmel aber bereits überraschend gut frei. Ich habe dann noch schnell mein Seestar bereitgemacht und auf M13 eingestellt. Da ich ja davon ausgegangen war, aufgrund der Bewölkung nicht viel Zeit für die Aufnahme zu haben, war das für mich erst mal das logische Ziel. Schon kurz darauf konnte die Beobachtung mit dem Dobson beginnen.
Deep-Sky-Highlights: Von M57 bis zum Cirrusnebel

Das erste Objekt des Abends war dann erneut der Ringnebel M57 im Sternbild Leier. Er war zu diesem Zeitpunkt noch relativ schwach und hat sich nicht sehr gut vom Himmelshintergrund abgehoben. Daraufhin habe ich erst mal einen Schwenk zum Sternbild Kassiopeia gemacht und dort die offenen Sternhaufen NGC 457 und M103 beobachtet. Zu diesem Zeitpunkt bekam ich dann Besuch von einem Nachbarn, der dann mit mir gemeinsam die restliche Nacht beobachtet hat. Als nächstes Objekt war nun der Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules dran. Er war heute richtig gut zu sehen, und wir sind dann auch mit 320-facher Vergrößerung regelrecht in ihn eingetaucht. Einmal im Herkules sind wir dann direkt zu M92 weiter und haben uns diesen ebenfalls sehr schönen Kugelsternhaufen auch noch angesehen.
Zwischendurch bekamen wir dann noch weitere Gesellschaft, und so haben wir dann zeitweise zu viert beobachtet. Jetzt war der Himmel so richtig dunkel und klar, so dass wir nun noch einmal den Ringnebel M57 aufgesucht haben. Nun hat er sich richtig schön vom Hintergrund abgehoben und war ein toller Anblick; der Zentralstern blieb uns jedoch verborgen.
Als nächstes haben wir Halt im Schwan gemacht und mit dem OIII-Filter den Cirrusnebel aufgesucht. Der Sturmvogel und die Knochenhand waren beide sehr gut zu erkennen – ein toller Anblick, mit dem ich aufgrund der Wettervorhersage so überhaupt nicht gerechnet hatte. Nach dem Cirrusnebel haben wir dann den Hantelnebel M27 im Sternbild Fuchs aufgesucht. Auch er war heute eine richtige Pracht am Himmel: schön hell und mit sehr gut erkennbaren Strukturen der Hantel. Das Seestar hatte in der Zwischenzeit bereits genug Belichtungszeit für M13 gesammelt und ich habe es dann auf M33 eingestellt.
Galaxientour: Großer Bär und Whirlpoolgalaxie
Nun wollten wir uns mal ein paar Galaxien anschauen und haben uns zunächst für M81 und M82 im Sternbild Großer Bär entschieden. Im Übersichtsokular mit 42 mm Brennweite waren beide sehr schön anzusehen. Bei ca. 120-facher Vergrößerung hat man bei der Zigarrengalaxie M82 zwar das Staubband in der Mitte erahnen können, aber so richtig deutlich war es leider nicht zu sehen, da der Himmel in dieser Region noch von einem leichten Dunstschleier durchzogen war. Im Anschluss haben wir dann noch einen Stopp bei der Whirlpoolgalaxie M51 eingelegt. Auch hier zeigte sich schnell, dass nicht allzu viele Details zu erwarten waren. Die beiden hellen Galaxienkerne von M51 und NGC 5195 waren gut zu sehen, und von M51 konnte man die Spiralstruktur ganz hauchzart erkennen.
Planetaresche Nebel: Blinking Nebula und Katzenaugennebel
Von den Galaxien haben wir uns verabschiedet und uns als nächstes den planetarischen Nebel Blinking Nebula (NGC 6826) im Sternbild Schwan angeschaut. Bei ihm darf man den Zentralstern nicht direkt ansehen, da der Nebel sonst verschwindet. Dieser Effekt macht es manchmal auch etwas schwierig, ihn gleich zu finden. NGC 6826 ist ca. 4200 Lichtjahre von der Erde entfernt, und der Effekt des „Blinkens“ wird durch den extrem hellen Zentralstern ausgelöst, der einer der hellsten bekannten Sterne in einem planetarischen Nebel ist. Durch seine Helligkeit überstrahlt er beim direkten Ansehen den planetarischen Nebel und dieser verschwindet.
Das nächste Objekt war dann wieder ein planetarischer Nebel: diesmal der Katzenaugennebel (NGC 6543) im Sternbild Drache. Mein Nachbar und ich mussten uns zunächst der Hürde stellen, das Sternbild Drache am Himmel zu identifizieren. In diesem Bereich bin ich auch nicht so oft unterwegs, und es befinden sich dort viele Sterne, die einen schnell in die falsche Richtung führen können, wenn man die falschen wählt. Nach einiger Mühe und einem kurzen Blick auf Stellarium konnten wir den richtigen Bereich finden und uns zunächst über die Galaxie NGC 6503 die Bestätigung holen, dass wir an der richtigen Stelle sind. Von dort aus war es dann nur ein kleiner Schwenk zum Katzenaugennebel. Den Zentralstern konnten wir leider auch hier nicht sehen, obwohl er in diesem Objekt normalerweise recht leicht zu erkennen ist.
Kembles Kaskade und weitere Klassiker
Im Anschluss folgten einige Versuche, Kembles Kaskade aufzusuchen. Das Sternbild Giraffe gehört jedoch ebenfalls nicht zu meinen gewohnten Regionen und ist meiner Meinung nach auch immer schwer zu erkennen. Es blieb zunächst bei den Versuchen, weshalb wir uns erst einmal wieder anderen Objekten widmeten.

Das nächste Ziel war der Kugelsternhaufen M15 im Sternbild Pegasus – er ist immer leicht zu finden und ebenfalls ein tolles Objekt, bei dem wir ordentlich vergrößern konnten. Nicht weit von M15 liegt mit M2 im Sternbild Wassermann direkt der nächste Kugelsternhaufen, der sich relativ einfach auflösen lässt. Nach den Kugelsternhaufen unternahmen wir einen Schwenk nach links in Richtung Sternbild Andromeda, wo wir natürlich die Andromedagalaxie M31 samt ihrer beiden Begleiter M32 und M110 beobachteten. Die nächste Galaxie war die Dreiecksgalaxie M33 im Sternbild Dreieck, die visuell leider immer sehr schwach ist. Anschließend haben wir den offenen Sternhaufen M29 im Sternbild Schwan beobachtet, der auch als Kühlturm bezeichnet wird. Die Form, die ihm diesen Namen verleiht, ist jedoch nur in meinem 42-mm-Übersichtsokular zu erkennen; bei hoher Vergrößerung verliert sich diese Form im Sternfeld.
Ein absolutes Highlight: Der Kleiderbügelhaufen und Doppelsterne
Zwischendurch gab es dann noch einmal den Kleiderbügelhaufen Cr399 mit dem Fernglas zu bestaunen. Auch zwei Besuchern konnte ich den Weg so beschreiben, dass sie ihn direkt gefunden haben. So etwas macht mir immer besonders viel Spaß, und für die anderen ist es ein tolles Erlebnis, ein solches Objekt selbstständig am Himmel mit dem Fernglas zu finden.
Danach haben wir uns den Doppelstern Albireo angesehen – ein wirklich fantastisch schöner Anblick, ich kenne kaum farblich schönere Doppelsterne. Nach Albireo nahmen wir uns das Vierfachsystem in der Leier (Epsilon Lyrae) vor. Bei mittlerer 120-facher Vergrößerung kann man die beiden Hauptsterne gut erkennen. Vergrößert man dann 320-fach, werden diese beiden Doppelsterne jeweils noch einmal in zwei weitere Doppelsterne aufgetrennt. Diese stehen so dicht zusammen, dass auch hier ein guter Himmel von Vorteil ist.
Mäusegesicht, Carolines Rose und Kembles Kaskade

Nach den Doppelsternen haben wir uns den Kugelsternhaufen NGC 6229 im Sternbild Herkules angesehen. Er wird häufig auch als Mäusegesicht bezeichnet, da er von zwei Sternen umgeben ist, die mit dem Kugelsternhaufen zusammen ein Mäusegesicht bilden (die beiden Sterne sind die Augen, der Kugelsternhaufen die Mäusenase). Mit 100.000 Lichtjahren Entfernung ist er recht weit entfernt und blickt auf ein stolzes Alter von ca. 12 Milliarden Jahren zurück.
Anschließend wechselten wir noch einmal die Himmelsrichtung und sind rüber zur Kassiopeia, um uns dort die offenen Sternhaufen NGC 7789 (auch bekannt als Carolines Rose) und M52 anzusehen. Wieder in dieser Region angekommen, versuchte ich nun erneut, Kembles Kaskade und den offenen Sternhaufen NGC 1502 einzustellen.
Durch das Okular konnte ich nicht wirklich erkennen, ob ich richtig bin, doch im optischen Sucher sprang mir die Sternenkette von Kembles Kaskade förmlich ins Auge. Der offene Sternhaufen am Ende der Kaskade war dort als offenes Dreieck zu erkennen. Nun war der Haufen auch im Okular gut zu sehen, und wir konnten die Kaskade langsam entlangfahren.
Zum Abschluss haben wir noch M20 und die Plejaden beobachtet. Bei den Plejaden haben wir uns im Okular Allys Zopf genauer angesehen; die gesamten Plejaden passen wegen der hohen Vergrößerung bei mir nur in den Sucher.
Gegen 1:45 Uhr zogen dann erneut Wolken auf, und der Himmel war ziemlich schlagartig zu. Also habe ich zusammengepackt und bin absolut zufrieden und glücklich in mein Zelt zum Schlafen gegangen.
Bildquellen
- M_13_270x10sec_2026-05–22_final: Matze Schmidt
- NGC_6229_278x20sec_2026-05–25_final: Matze Schmidt



