WHAT “Westhavelländer Astrotreff” — 11.09.26

Lesedauer 5 Minuten
Sonnenfotografie am Tag

Ich habe mich heute tagsüber mit Son­nen­fo­tografie beschäftigt. Zumin­d­est soweit es die Wolken­lück­en zuge­lassen haben. Zunächst habe ich mit dem Coro­n­a­do PST 400 und der ASI 120 MC‑S ver­sucht, ein vernün­ftiges Ergeb­nis her­auszubekom­men. Der Fokus­punkt ist jedoch nach wie vor sehr schw­er zu tre­f­fen. Im Anschluss habe ich dann noch mit dem Seestar ein kurzes Video der Sonne gemacht und dieses dann in Autostakkert zu einem Bild ges­takkt. Nach mein­er Son­nenbeschäf­ti­gung habe ich die Zeit genutzt und bin ein wenig über den Platz gelaufen und habe mich hier und dort mit anderen Astrofre­un­den ausgetauscht.

Überraschend klarer Abendhimmel

Die Vorher­sage für die Nacht war heute nicht so gut. Es sollte lediglich ein Zeit­fen­ster von 1–2 Stun­den geben, in dem klar­er Him­mel voraus­ge­sagt wurde. Als es dann dunkel wurde, war der Him­mel aber bere­its über­raschend gut frei. Ich habe dann noch schnell mein Seestar bere­it­gemacht und auf M13 eingestellt. Da ich ja davon aus­ge­gan­gen war, auf­grund der Bewölkung nicht viel Zeit für die Auf­nahme zu haben, war das für mich erst mal das logis­che Ziel. Schon kurz darauf kon­nte die Beobach­tung mit dem Dob­son beginnen.

Deep-Sky-Highlights: Von M57 bis zum Cirrusnebel

Das erste Objekt des Abends war dann erneut der Ringnebel M57 im Stern­bild Leier. Er war zu diesem Zeit­punkt noch rel­a­tiv schwach und hat sich nicht sehr gut vom Him­melsh­in­ter­grund abge­hoben. Daraufhin habe ich erst mal einen Schwenk zum Stern­bild Kas­siopeia gemacht und dort die offe­nen Stern­haufen NGC 457 und M103 beobachtet. Zu diesem Zeit­punkt bekam ich dann Besuch von einem Nach­barn, der dann mit mir gemein­sam die restliche Nacht beobachtet hat. Als näch­stes Objekt war nun der Kugel­stern­haufen M13 im Stern­bild Herkules dran. Er war heute richtig gut zu sehen, und wir sind dann auch mit 320-fach­er Ver­größerung regel­recht in ihn einge­taucht. Ein­mal im Herkules sind wir dann direkt zu M92 weit­er und haben uns diesen eben­falls sehr schö­nen Kugel­stern­haufen auch noch angesehen.

Zwis­chen­durch beka­men wir dann noch weit­ere Gesellschaft, und so haben wir dann zeitweise zu viert beobachtet. Jet­zt war der Him­mel so richtig dunkel und klar, so dass wir nun noch ein­mal den Ringnebel M57 aufge­sucht haben. Nun hat er sich richtig schön vom Hin­ter­grund abge­hoben und war ein toller Anblick; der Zen­tral­stern blieb uns jedoch ver­bor­gen.

Als näch­stes haben wir Halt im Schwan gemacht und mit dem OIII-Fil­ter den Cir­rus­nebel aufge­sucht. Der Stur­mvo­gel und die Knochen­hand waren bei­de sehr gut zu erken­nen – ein toller Anblick, mit dem ich auf­grund der Wet­ter­vorher­sage so über­haupt nicht gerech­net hat­te. Nach dem Cir­rus­nebel haben wir dann den Hantel­nebel M27 im Stern­bild Fuchs aufge­sucht. Auch er war heute eine richtige Pracht am Him­mel: schön hell und mit sehr gut erkennbaren Struk­turen der Hantel. Das Seestar hat­te in der Zwis­chen­zeit bere­its genug Belich­tungszeit für M13 gesam­melt und ich habe es dann auf M33 eingestellt.

Galaxientour: Großer Bär und Whirlpoolgalaxie

Nun woll­ten wir uns mal ein paar Galax­ien anschauen und haben uns zunächst für M81 und M82 im Stern­bild Großer Bär entsch­ieden. Im Über­sicht­soku­lar mit 42 mm Bren­nweite waren bei­de sehr schön anzuse­hen. Bei ca. 120-fach­er Ver­größerung hat man bei der Zigar­ren­galax­ie M82 zwar das Staub­band in der Mitte erah­nen kön­nen, aber so richtig deut­lich war es lei­der nicht zu sehen, da der Him­mel in dieser Region noch von einem leicht­en Dun­stschleier durch­zo­gen war. Im Anschluss haben wir dann noch einen Stopp bei der Whirlpool­galax­ie M51 ein­gelegt. Auch hier zeigte sich schnell, dass nicht allzu viele Details zu erwarten waren. Die bei­den hellen Galax­ienkerne von M51 und NGC 5195 waren gut zu sehen, und von M51 kon­nte man die Spi­ral­struk­tur ganz hauchzart erkennen.

Planetaresche Nebel: Blinking Nebula und Katzenaugennebel

Von den Galax­ien haben wir uns ver­ab­schiedet und uns als näch­stes den plan­e­tarischen Nebel Blink­ing Neb­u­la (NGC 6826) im Stern­bild Schwan angeschaut. Bei ihm darf man den Zen­tral­stern nicht direkt anse­hen, da der Nebel son­st ver­schwindet. Dieser Effekt macht es manch­mal auch etwas schwierig, ihn gle­ich zu find­en. NGC 6826 ist ca. 4200 Licht­jahre von der Erde ent­fer­nt, und der Effekt des „Blinkens“ wird durch den extrem hellen Zen­tral­stern aus­gelöst, der ein­er der hell­sten bekan­nten Sterne in einem plan­e­tarischen Nebel ist. Durch seine Hel­ligkeit über­strahlt er beim direk­ten Anse­hen den plan­e­tarischen Nebel und dieser verschwindet.

Das näch­ste Objekt war dann wieder ein plan­e­tarisch­er Nebel: dies­mal der Katzenau­gen­nebel (NGC 6543) im Stern­bild Drache. Mein Nach­bar und ich mussten uns zunächst der Hürde stellen, das Stern­bild Drache am Him­mel zu iden­ti­fizieren. In diesem Bere­ich bin ich auch nicht so oft unter­wegs, und es befind­en sich dort viele Sterne, die einen schnell in die falsche Rich­tung führen kön­nen, wenn man die falschen wählt. Nach einiger Mühe und einem kurzen Blick auf Stel­lar­i­um kon­nten wir den richti­gen Bere­ich find­en und uns zunächst über die Galax­ie NGC 6503 die Bestä­ti­gung holen, dass wir an der richti­gen Stelle sind. Von dort aus war es dann nur ein klein­er Schwenk zum Katzenau­gen­nebel. Den Zen­tral­stern kon­nten wir lei­der auch hier nicht sehen, obwohl er in diesem Objekt nor­maler­weise recht leicht zu erken­nen ist.

Kembles Kaskade und weitere Klassiker

Im Anschluss fol­gten einige Ver­suche, Kem­bles Kaskade aufzusuchen. Das Stern­bild Giraffe gehört jedoch eben­falls nicht zu meinen gewohn­ten Regio­nen und ist mein­er Mei­n­ung nach auch immer schw­er zu erken­nen. Es blieb zunächst bei den Ver­suchen, weshalb wir uns erst ein­mal wieder anderen Objek­ten widmeten.

Das näch­ste Ziel war der Kugel­stern­haufen M15 im Stern­bild Pega­sus – er ist immer leicht zu find­en und eben­falls ein tolles Objekt, bei dem wir ordentlich ver­größern kon­nten. Nicht weit von M15 liegt mit M2 im Stern­bild Wasser­mann direkt der näch­ste Kugel­stern­haufen, der sich rel­a­tiv ein­fach auflösen lässt. Nach den Kugel­stern­haufen unter­nah­men wir einen Schwenk nach links in Rich­tung Stern­bild Androm­e­da, wo wir natür­lich die Androm­e­da­galax­ie M31 samt ihrer bei­den Begleit­er M32 und M110 beobachteten. Die näch­ste Galax­ie war die Dreiecks­galax­ie M33 im Stern­bild Dreieck, die visuell lei­der immer sehr schwach ist. Anschließend haben wir den offe­nen Stern­haufen M29 im Stern­bild Schwan beobachtet, der auch als Kühlturm beze­ich­net wird. Die Form, die ihm diesen Namen ver­lei­ht, ist jedoch nur in meinem 42-mm-Über­sicht­soku­lar zu erken­nen; bei hoher Ver­größerung ver­liert sich diese Form im Sternfeld.

Ein absolutes Highlight: Der Kleiderbügelhaufen und Doppelsterne

Zwis­chen­durch gab es dann noch ein­mal den Klei­der­bügel­haufen Cr399 mit dem Fer­n­glas zu bestaunen. Auch zwei Besuch­ern kon­nte ich den Weg so beschreiben, dass sie ihn direkt gefun­den haben. So etwas macht mir immer beson­ders viel Spaß, und für die anderen ist es ein tolles Erleb­nis, ein solch­es Objekt selb­st­ständig am Him­mel mit dem Fer­n­glas zu finden.

Danach haben wir uns den Dop­pel­stern Albireo ange­se­hen – ein wirk­lich fan­tastisch schön­er Anblick, ich kenne kaum far­blich schönere Dop­pel­sterne. Nach Albireo nah­men wir uns das Vier­fach­sys­tem in der Leier (Epsilon Lyrae) vor. Bei mit­tlerer 120-fach­er Ver­größerung kann man die bei­den Haupt­sterne gut erken­nen. Ver­größert man dann 320-fach, wer­den diese bei­den Dop­pel­sterne jew­eils noch ein­mal in zwei weit­ere Dop­pel­sterne aufge­tren­nt. Diese ste­hen so dicht zusam­men, dass auch hier ein guter Him­mel von Vorteil ist.

Mäusegesicht, Carolines Rose und Kembles Kaskade

Nach den Dop­pel­ster­nen haben wir uns den Kugel­stern­haufen NGC 6229 im Stern­bild Herkules ange­se­hen. Er wird häu­fig auch als Mäuse­gesicht beze­ich­net, da er von zwei Ster­nen umgeben ist, die mit dem Kugel­stern­haufen zusam­men ein Mäuse­gesicht bilden (die bei­den Sterne sind die Augen, der Kugel­stern­haufen die Mäuse­nase). Mit 100.000 Licht­jahren Ent­fer­nung ist er recht weit ent­fer­nt und blickt auf ein stolzes Alter von ca. 12 Mil­liar­den Jahren zurück.

Anschließend wech­sel­ten wir noch ein­mal die Him­mel­srich­tung und sind rüber zur Kas­siopeia, um uns dort die offe­nen Stern­haufen NGC 7789 (auch bekan­nt als Car­o­lines Rose) und M52 anzuse­hen. Wieder in dieser Region angekom­men, ver­suchte ich nun erneut, Kem­bles Kaskade und den offe­nen Stern­haufen NGC 1502 einzustellen. 

Durch das Oku­lar kon­nte ich nicht wirk­lich erken­nen, ob ich richtig bin, doch im optis­chen Such­er sprang mir die Ster­nen­kette von Kem­bles Kaskade förm­lich ins Auge. Der offene Stern­haufen am Ende der Kaskade war dort als offenes Dreieck zu erken­nen. Nun war der Haufen auch im Oku­lar gut zu sehen, und wir kon­nten die Kaskade langsam entlangfahren.

Zum Abschluss haben wir noch M20 und die Ple­jaden beobachtet. Bei den Ple­jaden haben wir uns im Oku­lar Allys Zopf genauer ange­se­hen; die gesamten Ple­jaden passen wegen der hohen Ver­größerung bei mir nur in den Sucher.

Gegen 1:45 Uhr zogen dann erneut Wolken auf, und der Him­mel war ziem­lich schla­gar­tig zu. Also habe ich zusam­mengepackt und bin abso­lut zufrieden und glück­lich in mein Zelt zum Schlafen gegangen.

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Bildquellen

  • M_13_270x10sec_2026-05–22_final: Matze Schmidt
  • NGC_6229_278x20sec_2026-05–25_final: Matze Schmidt
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