Astrocamping VB 10.07.26 Tag 1

Lesedauer 3 Minuten
Sommerurlaub in der Natur

Som­merurlaub in der Ferne – das muss nicht immer sein. Unseren Som­merurlaub ver­brin­gen wir dieses Jahr auf dem Gelände der Ster­nen­welt Vogels­berg. Fünf Tage nur in der Natur und mit einem fan­tastis­chen nächtlichen Ster­nen­him­mel – mehr Erhol­ung geht kaum. Was mich auch sehr gefreut hat: Denis aus Berlin war mit von der Par­tie. Er hat seinen Urlaub kurz­er­hand mit Astro­camp­ing verbunden.

Plackerei mit der Packerei

Am Fre­itag­mor­gen um 7 Uhr habe ich mein üblich­es „Auto-Tetris“ gespielt und ver­sucht, so viel wie möglich in mein kleines Auto zu bekom­men. Lei­der musste ich ein paar Dinge wie Pavil­lon, Klei­der­schrank und H‑Al­pha-Teleskop zu Hause lassen. Pavil­lon und Schrank sind ver­schmerzbar, aber das H‑Al­pha-Teleskop hätte ich schon ganz gerne dabei gehabt. Um vier­tel nach acht war ich dann abreise­bere­it und machte mich auf den Weg – zunächst noch ohne Ben, da er noch andere Pläne hat­te. Ihn hole ich dann am Son­ntag ab.

Ankunft in Stumpertenrod

Denis war bere­its vor mir vor Ort, da er mit­ten in der Nacht um 3 Uhr in Berlin ges­tartet ist. Wir haben dann zunächst unsere bei­den großen Zelte aufge­baut und die Autos ent­laden. Danach hieß es erst mal: Entspan­nen. Gemütlich im Stuhl sitzen und immer mal wieder die Augen schließen – bei der Ruhe hier ist das ein­fach herrlich.

Zwis­chen­durch hat sich Andy bei mir auf­grund meines Sta­tus bei What­sApp gemeldet und spon­tan seinen Besuch am Abend angekündigt. Seine Aus­rüs­tung hat er allerd­ings zu Hause gelassen, da ihm die Nächte im Som­mer für Astroauf­nah­men zu kurz sind. Außer­dem hat­te er noch seine Fre­undin Ella dabei, die am näch­sten Tag arbeit­en musste.

Gegen Abend haben Denis und ich erst mal ein paar Würstchen auf den Grill gewor­fen; schließlich bekommt man auch vom „Rum­sitzen“ Hunger. Nach dem Essen war für mich wieder Entspan­nung ange­sagt, während Denis eine Runde spazieren ging. Noch bevor es dunkel wurde, trafen Andy und Ella ein. Wir haben uns nett unter­hal­ten und gemein­sam auf den Ein­bruch der Dunkel­heit gewartet.

Die ersten Objekte der Nacht

Wer meine Berichte ver­fol­gt, wird sich nun sich­er denken, dass das erste Objekt – wie so oft – der Kugel­stern­haufen M13 war. Dies­mal jedoch nicht! Der Klei­der­bügel­haufen Cr399 im Stern­bild Fuchs hat­te die Ehre, das erste Objekt zu sein. Im Fer­n­glas war der Bogen des Bügels bere­its gut zu sehen, die ger­ade Ster­nen­kette war jedoch noch etwas schwach.

Danach fol­gte der Kugel­stern­haufen M13 im Stern­bild Herkules. Auf­grund des noch nicht ganz dun­klen Him­mels war er zwar schon ganz nett anzuschauen, blieb aber noch weit hin­ter seinen Möglichkeit­en zurück. Als Näch­stes haben wir den Ringnebel M57 in der Leier beobachtet. Im Anschluss gab es ein weit­eres Liebling­sob­jekt: den Eulen­haufen NGC 457 im Stern­bild Kassiopeia.

Der Himmel zeigt, was er kann
Zu sehen ist der Hatelnebel M27 im Sternbild Fuchs

Nun wurde der Him­mel richtig gut. Das Band der Milch­straße war deut­lich zu sehen und auch die schwächeren Sterne einiger Stern­bilder trat­en klar her­vor. Im Stern­bild Fuchs habe ich den Hantel­nebel M27 beobachtet; er hob sich deut­lich vom Hin­ter­grund ab und seine charak­ter­is­tis­che Form war her­vor­ra­gend zu erkennen.

Nach dem Hantel­nebel war der „Blink­ing Neb­u­lar“ NGC 6826 im Schwan an der Rei­he. Mit geringer Ver­größerung über­sieht man ihn schnell – vor allem, weil er sich oft erst zeigt, wenn man leicht am Zen­tral­stern vor­beis­chaut. Doch bere­its mit mit­tlerer Ver­größerung springt er einem fast ins Auge. Dieses Objekt finde ich nach wie vor total faszinierend.

Ein nicht ganz so spek­takuläres, aber den­noch sehr schön anzuse­hen­des Objekt ist der Kugel­stern­haufen NGC 6229 im Herkules. Der kleine Haufen ste­ht zusam­men mit zwei weit­eren Ster­nen in einem gle­ich­mäßi­gen Dreieck. Das hat ihm wohl auch den Spitz­na­men „Mäuse­gesicht“ einge­bracht: Die bei­den Sterne bilden die Augen und der Kugel­stern­haufen die Nase der Maus. Die Bedin­gun­gen waren heute her­vor­ra­gend, daher war das „Gesicht“ sehr gut zu sehen. Eben­falls im Herkules fol­gte der Kugel­stern­haufen M92, für mich neben M13 ein­er der schön­sten sein­er Art.

Von Galaxien und Herausforderungen

Das näch­ste Objekt war der offene Stern­haufen M103 in der Kas­siopeia. Danach haben wir die Whirlpool-Galax­ie M51 in den Jagdhun­den beobachtet. Sie war auf­grund der leicht­en Him­mel­saufhel­lung in diesem Bere­ich nicht ganz so gut zu sehen. Nach dem etwas ent­täuschen­den Blick auf M51 gab es dann zur Freude wieder einen Kugel­stern­haufen: M56 in der Leier.

Im Stern­bild Schwan gab es mit NGC7027 – auch als „Mag­ic Car­pet“ beze­ich­net – eine kleine Her­aus­forderung. Dieser plan­e­tarische Nebel ist auf­grund sein­er gerin­gen Größe nur bei recht hoher Ver­größerung zu erken­nen. Mit meinem 5,5‑mm-Okular erre­iche ich an meinem Dob­son eine 323-fache Ver­größerung und kann ihn damit gut ausmachen.

Nach diesem anspruchsvolleren Objekt gab es wieder einen schö­nen, kleinen offe­nen Stern­haufen: M29, eben­falls im Schwan zu find­en und auch unter dem Namen „Kühlturm“ bekannt.

Einblicke in fremde Teleskope

Die Nacht war nun schon weit fort­geschrit­ten und ich wollte noch ein­mal bei der Nach­barschaft durch das eine oder andere Teleskop schauen. So kam ich in den Genuss, in einem 25-Zoll-Dob­son den Ringnebel und M13 zu beobacht­en. Den Zen­tral­stern im Ringnebel kon­nte ich lei­der den­noch nicht sehen. Dafür wurde mir aber eine Neuigkeit in M13 präsen­tiert: Es gibt dort einige dun­klere Bere­iche, die wie ein Pro­peller oder das Innere eines Mer­cedes-Sterns ausse­hen. Der Besitzer des 25-Zoll-Dob­sons ver­ri­et mir zudem, dass er die Him­melshel­ligkeit gemessen hat – mit einem Wert von 21,2 war die Nacht wirk­lich hervorragend.

Mit­tler­weile wurde der Him­mel wieder heller, ich habe meine Sachen zusam­mengepackt und bin zufrieden in mein Zelt gekrochen.




image_pdfimage_print

Immer informiert über neue Beiträge“

Melde Dich an und erhalte bei der Veröf­fentlichung neuer Beiträge eine Nachricht mit dem Artikel

Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.