Sommerurlaub in der Natur
Sommerurlaub in der Ferne – das muss nicht immer sein. Unseren Sommerurlaub verbringen wir dieses Jahr auf dem Gelände der Sternenwelt Vogelsberg. Fünf Tage nur in der Natur und mit einem fantastischen nächtlichen Sternenhimmel – mehr Erholung geht kaum. Was mich auch sehr gefreut hat: Denis aus Berlin war mit von der Partie. Er hat seinen Urlaub kurzerhand mit Astrocamping verbunden.
Plackerei mit der Packerei
Am Freitagmorgen um 7 Uhr habe ich mein übliches „Auto-Tetris“ gespielt und versucht, so viel wie möglich in mein kleines Auto zu bekommen. Leider musste ich ein paar Dinge wie Pavillon, Kleiderschrank und H‑Alpha-Teleskop zu Hause lassen. Pavillon und Schrank sind verschmerzbar, aber das H‑Alpha-Teleskop hätte ich schon ganz gerne dabei gehabt. Um viertel nach acht war ich dann abreisebereit und machte mich auf den Weg – zunächst noch ohne Ben, da er noch andere Pläne hatte. Ihn hole ich dann am Sonntag ab.
Ankunft in Stumpertenrod
Denis war bereits vor mir vor Ort, da er mitten in der Nacht um 3 Uhr in Berlin gestartet ist. Wir haben dann zunächst unsere beiden großen Zelte aufgebaut und die Autos entladen. Danach hieß es erst mal: Entspannen. Gemütlich im Stuhl sitzen und immer mal wieder die Augen schließen – bei der Ruhe hier ist das einfach herrlich.
Zwischendurch hat sich Andy bei mir aufgrund meines Status bei WhatsApp gemeldet und spontan seinen Besuch am Abend angekündigt. Seine Ausrüstung hat er allerdings zu Hause gelassen, da ihm die Nächte im Sommer für Astroaufnahmen zu kurz sind. Außerdem hatte er noch seine Freundin Ella dabei, die am nächsten Tag arbeiten musste.
Gegen Abend haben Denis und ich erst mal ein paar Würstchen auf den Grill geworfen; schließlich bekommt man auch vom „Rumsitzen“ Hunger. Nach dem Essen war für mich wieder Entspannung angesagt, während Denis eine Runde spazieren ging. Noch bevor es dunkel wurde, trafen Andy und Ella ein. Wir haben uns nett unterhalten und gemeinsam auf den Einbruch der Dunkelheit gewartet.
Die ersten Objekte der Nacht
Wer meine Berichte verfolgt, wird sich nun sicher denken, dass das erste Objekt – wie so oft – der Kugelsternhaufen M13 war. Diesmal jedoch nicht! Der Kleiderbügelhaufen Cr399 im Sternbild Fuchs hatte die Ehre, das erste Objekt zu sein. Im Fernglas war der Bogen des Bügels bereits gut zu sehen, die gerade Sternenkette war jedoch noch etwas schwach.
Danach folgte der Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules. Aufgrund des noch nicht ganz dunklen Himmels war er zwar schon ganz nett anzuschauen, blieb aber noch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Als Nächstes haben wir den Ringnebel M57 in der Leier beobachtet. Im Anschluss gab es ein weiteres Lieblingsobjekt: den Eulenhaufen NGC 457 im Sternbild Kassiopeia.
Der Himmel zeigt, was er kann

Nun wurde der Himmel richtig gut. Das Band der Milchstraße war deutlich zu sehen und auch die schwächeren Sterne einiger Sternbilder traten klar hervor. Im Sternbild Fuchs habe ich den Hantelnebel M27 beobachtet; er hob sich deutlich vom Hintergrund ab und seine charakteristische Form war hervorragend zu erkennen.
Nach dem Hantelnebel war der „Blinking Nebular“ NGC 6826 im Schwan an der Reihe. Mit geringer Vergrößerung übersieht man ihn schnell – vor allem, weil er sich oft erst zeigt, wenn man leicht am Zentralstern vorbeischaut. Doch bereits mit mittlerer Vergrößerung springt er einem fast ins Auge. Dieses Objekt finde ich nach wie vor total faszinierend.
Ein nicht ganz so spektakuläres, aber dennoch sehr schön anzusehendes Objekt ist der Kugelsternhaufen NGC 6229 im Herkules. Der kleine Haufen steht zusammen mit zwei weiteren Sternen in einem gleichmäßigen Dreieck. Das hat ihm wohl auch den Spitznamen „Mäusegesicht“ eingebracht: Die beiden Sterne bilden die Augen und der Kugelsternhaufen die Nase der Maus. Die Bedingungen waren heute hervorragend, daher war das „Gesicht“ sehr gut zu sehen. Ebenfalls im Herkules folgte der Kugelsternhaufen M92, für mich neben M13 einer der schönsten seiner Art.
Von Galaxien und Herausforderungen
Das nächste Objekt war der offene Sternhaufen M103 in der Kassiopeia. Danach haben wir die Whirlpool-Galaxie M51 in den Jagdhunden beobachtet. Sie war aufgrund der leichten Himmelsaufhellung in diesem Bereich nicht ganz so gut zu sehen. Nach dem etwas enttäuschenden Blick auf M51 gab es dann zur Freude wieder einen Kugelsternhaufen: M56 in der Leier.
Im Sternbild Schwan gab es mit NGC7027 – auch als „Magic Carpet“ bezeichnet – eine kleine Herausforderung. Dieser planetarische Nebel ist aufgrund seiner geringen Größe nur bei recht hoher Vergrößerung zu erkennen. Mit meinem 5,5‑mm-Okular erreiche ich an meinem Dobson eine 323-fache Vergrößerung und kann ihn damit gut ausmachen.
Nach diesem anspruchsvolleren Objekt gab es wieder einen schönen, kleinen offenen Sternhaufen: M29, ebenfalls im Schwan zu finden und auch unter dem Namen „Kühlturm“ bekannt.
Einblicke in fremde Teleskope
Die Nacht war nun schon weit fortgeschritten und ich wollte noch einmal bei der Nachbarschaft durch das eine oder andere Teleskop schauen. So kam ich in den Genuss, in einem 25-Zoll-Dobson den Ringnebel und M13 zu beobachten. Den Zentralstern im Ringnebel konnte ich leider dennoch nicht sehen. Dafür wurde mir aber eine Neuigkeit in M13 präsentiert: Es gibt dort einige dunklere Bereiche, die wie ein Propeller oder das Innere eines Mercedes-Sterns aussehen. Der Besitzer des 25-Zoll-Dobsons verriet mir zudem, dass er die Himmelshelligkeit gemessen hat – mit einem Wert von 21,2 war die Nacht wirklich hervorragend.
Mittlerweile wurde der Himmel wieder heller, ich habe meine Sachen zusammengepackt und bin zufrieden in mein Zelt gekrochen.



