WHAT “Westhavelländer Astrotreff” — 12.09.26

Lesedauer 3 Minuten

Heute war der dritte Tag und damit der offizielle Start des WHAT. Am Spät­nach­mit­tag gab es wie üblich eine Rei­he aus­gewählter astronomis­ch­er Vorträge. Im Anschluss fol­gte der öffentliche Beobach­tungsabend, bei dem auch Tages­gäste die Gele­gen­heit hat­ten, durch die Teleskope der Teil­nehmer zu blick­en und ins Fach­sim­peln zu kommen.

Bevor es los­ging, drehte ich noch eine Runde über das Gelände und tauschte mich mit eini­gen bekan­nten Astrofre­un­den aus. Dann war es auch schon Zeit für Kaf­fee und Kuchen – der wie immer her­vor­ra­gend schmeck­te. Pünk­tlich danach starteten die Vorträge, die ich hier in eige­nen Worten kurz zusammenfasse.

Der Bau des Extremely Large Telescope (ELT)

Den Auf­takt machte Herr Prof. Dr. Matthias Stein­metz (Wis­senschaftlich­er Vor­stand des Leib­niz-Insti­tuts für Astro­physik Pots­dam, AIP, und Direk­tor des Forschungs­bere­ichs Extra­galak­tis­che Astro­physik) mit dem Titel „Der Bau des Extreme­ly Large Tele­scope (ELT)“.

Er gab zunächst einen kurzen Rück­blick auf die Geschichte der Großte­leskope und die typ­is­chen Her­aus­forderun­gen beim Bau. Kurios­es Detail am Rande: Er erin­nerte an den Zwis­chen­fall am McDon­ald Obser­va­to­ry, bei dem ein frus­tri­ert­er Instru­menten­wart nach einem Stre­it erst auf einen Vorge­set­zten und anschließend sieben­mal aus näch­ster Nähe mit ein­er 9‑mm-Pis­tole – plus ein paar Ham­mer­schlä­gen – auf den Primär­spiegel schoss. Der Spiegel über­lebte das Dra­ma nahezu unbeschadet mit nur einem Prozent Lichtverlust.

Anschließend ging es um das ELT. Dessen riesiger 39-Meter-Haupt­spiegel set­zt sich aus über 900 Einzelseg­menten zusam­men, gefer­tigt von Schott in Mainz. Die Bilder aus den Lager­hallen macht­en die schieren Dimen­sio­nen greif­bar. Auch das The­ma Erd­beben­sicher­heit wurde anschaulich beleuchtet, bevor zum Ende hin Auf­nah­men von der Plat­tform über der Baustelle das Aus­maß des Pro­jek­ts endgültig verdeutlichten.

Das zirkumgalaktische Medium

Schw­erere Kost kündigte der Titel des zweit­en Vor­trags an: „Das zirkum­galak­tis­che Medi­um“ von Frau Dr. Ramona Augustin (AIP). Sie führte das Pub­likum jedoch behut­sam und sehr anschaulich mit Illus­tra­tio­nen und Ani­ma­tio­nen an das The­ma heran.

Wir erfuhren, wie Galax­ien – etwa durch Super­novae – Gas nach außen abgeben, während sie gle­ichzeit­ig küh­les Gas aus der Umge­bung aufnehmen, das später als Rohstoff für die Ster­nentste­hung dient. Um den Halo-Bere­ich zu ver­messen, in dem dieser Gasaus­tausch stat­tfind­et, dient unsere Nach­bar­galax­ie M31 als Labor. Licht hell­ster Hin­ter­grun­dob­jek­te (Quasare) durch­leuchtet mit­tels Spek­troskopie den Halo.

Das über­raschende Ergeb­nis: Die Halos erstreck­en sich deut­lich weit­er als bish­er gedacht. Das hat Kon­se­quen­zen für die kün­ftige Kol­li­sion unser­er Galax­ie mit der Androm­e­da­galax­ie – betra­chtet man die reellen, weitaus größeren Halos, berühren sich diese bere­its. Der Prozess läuft also längst. Zum Abschluss gab es noch den fik­tiv­en Blick auf diesen kün­fti­gen Nachthim­mel – wohl wis­send, dass die Erde zu jen­er Zeit von der aufge­bläht­en Sonne längst gegrillt sein dürfte.“

Die Sonnenfinsternisse 2026, 2027 und dunkle Himmel über Frankreich und Spanien

Den Abschluss bestritt Dr. Andreas Hänel (Dark­Sky Inter­na­tion­al, Vere­ini­gung der Stern­fre­unde) mit seinem Vor­trag über kom­mende Fin­stern­isse und Lichtschutzgebiete.

Er berichtete von sein­er diesjähri­gen Reise nach Spanien und den Sta­tio­nen in franzö­sis­chen Ster­nen­parks. Wie vor zwei Jahren zeigte sich, dass man vor Ort mit unvorherse­hbaren Hür­den rech­nen muss – dies­mal etwa ein durch Brandge­fahr bed­ingtes Durch­fahrtsver­bot zu den eigentlichen Wun­sch-Beobach­tungsplätzen. Let­z­tendlich klappte die Platz­suche aber den­noch. Abgerun­det wurde der Beitrag durch eine beein­druck­ende Time­lapse-Auf­nahme seines Sohnes und einen Aus­blick auf die totale Son­nen­fin­ster­n­is 2027 in Ägypten (obwohl Südspanien im näch­sten Jahr eben­falls im Fin­ster­n­is-Fokus steht).

Ausklang und Fazit

Da die Wet­ter­vorher­sage für die Nacht trüb blieb, war der Abend vom Hof­fen auf Wolken­lück­en und weit­eren net­ten Gesprächen geprägt. Gegen 22:00 Uhr pack­te ich mein Dob­son dann angesichts aufziehen­den Regens ein.

Das war das WHAT 2026 – eine wie immer abso­lut gelun­gene und per­fekt organ­isierte Ver­anstal­tung. Dieses Jahr habe ich noch mehr neue Gesichter ken­nen­gel­ernt, der Aus­tausch war großar­tig und das gemein­same Beobacht­en von Fre­itag auf Sam­stag hat riesi­gen Spaß gemacht.

Bis näch­stes Jahr!

Hier noch ein paar Ein­drücke vom WHAT 2026:

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