Vielleicht ist es dem einen oder anderen aufgefallen, dass in den letzten beiden Monaten kein “Objekt des Monats” auf meinem Blog erschienen ist. Dafür möchte ich mich zunächst entschuldigen – allerdings gab es dafür einen beziehungsweise mehrere gute Gründe.
Wer mir bereits auf Facebook, Instagram oder über WhatsApp folgt, hat möglicherweise schon mitbekommen, dass ich mich in den letzten Monaten intensiv mit dem Thema digitale Souveränität beschäftigt habe. Genau dieses Thema hat bei mir zeitweise für eine recht hohe Auslastung gesorgt.
Da ich das Thema gerade – auch aufgrund der aktuellen politischen und technologischen Entwicklungen – für sehr wichtig halte, möchte ich heute einmal einen Artikel verfassen, der sich ausnahmsweise nicht mit Astronomie beschäftigt. Zunächst gehe ich dabei auf die Hintergründe und die Bedeutung digitaler Souveränität ein und beschreibe anschließend die Schritte, die ich persönlich bereits unternommen habe.
Was bedeutet digitale Souveränität eigentlich?
Der Begriff digitale Souveränität taucht in den letzten Jahren immer häufiger auf, wird jedoch oft unterschiedlich interpretiert. Im Kern beschreibt er die Fähigkeit von Individuen, Organisationen oder auch ganzen Staaten, ihre digitale Infrastruktur, ihre Daten und ihre Kommunikation selbstbestimmt zu kontrollieren. Es geht also darum, Abhängigkeiten zu reduzieren und Entscheidungen über die eigene digitale Umgebung selbst treffen zu können.
In der Praxis bedeutet das beispielsweise zu wissen, wo die eigenen Daten gespeichert werden, wer Zugriff darauf hat und unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen sie verarbeitet werden. Viele der Dienste, die wir täglich nutzen – von sozialen Netzwerken über Cloudspeicher bis hin zu Messenger-Diensten – werden von großen internationalen Konzernen betrieben. Das bringt zwar häufig Komfort und eine große Verbreitung mit sich, führt aber gleichzeitig zu einer starken Abhängigkeit von einzelnen Anbietern.
Digitale Souveränität bedeutet dabei nicht zwangsläufig, auf moderne digitale Dienste zu verzichten. Vielmehr geht es darum, bewusste Entscheidungen zu treffen: Welche Plattformen möchte ich nutzen? Welche Alternativen gibt es? Und wie kann ich meine Daten, meine Kommunikation und meine Inhalte möglichst unter meiner eigenen Kontrolle behalten?
Gerade im Alltag vieler Menschen spielt digitale Souveränität eine größere Rolle, als man zunächst vermuten würde. Ein Großteil unserer Kommunikation, unserer Fotos, Dokumente und persönlichen Informationen befindet sich heute in digitalen Diensten – oft verteilt über verschiedene Plattformen und Anbieter. Dadurch entsteht schnell eine gewisse Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen und deren Infrastruktur.
Sich mit digitaler Souveränität zu beschäftigen bedeutet daher vor allem, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie und wo die eigenen Daten gespeichert werden und welche Möglichkeiten es gibt, mehr Kontrolle darüber zu behalten. Dabei geht es nicht darum, digitale Dienste vollständig zu vermeiden, sondern informierte Entscheidungen zu treffen und die eigene digitale Umgebung möglichst selbstbestimmt zu gestalten.
Im weiteren Verlauf dieses Artikels möchte ich daher einen Einblick geben, welche Überlegungen mich in den letzten Monaten beschäftigt haben und welche konkreten Schritte ich bereits umgesetzt habe, um meine eigene digitale Souveränität ein Stück weit zu stärken.
Um etwas Struktur in das Ganze zu bringen, beschreibe ich im Folgenden einige Themenblöcke wie Betriebssystem, Cloudspeicher sowie Kommunikation und soziale Netzwerke.
Der erste große Schritt: Mein Wechsel von Windows zu Linux
Auch ich habe jahrelang zu den Windows-Nutzern gehört. In den letzten Jahren häuften sich jedoch die Probleme nach Updates immer mehr. Funktionen waren plötzlich nicht mehr verfügbar, Dateien verschwanden oder der Rechner startete nicht mehr sauber.
Zunehmend genervt davon entschloss ich mich im Dezember 2021 dazu, einen weiteren Versuch mit Linux zu starten. Bereits früher hatte ich immer wieder damit experimentiert. Gescheitert ist es damals meist an Programmen, die nicht liefen oder für die es keine Alternativen gab, an fehlender Treiberunterstützung oder schlicht am gewohnten Komfort.

Als ich dann Linux Mint nach der Installation zum ersten Mal startete, erlebte ich tatsächlich so etwas wie einen kleinen Wow-Effekt. Das System startete extrem schnell und alles funktionierte sofort auf Anhieb – Drucker, Netzwerk und andere Hardware wurden direkt erkannt. Auch LibreOffice und Thunderbird waren bereits installiert, sodass ich sofort produktiv arbeiten konnte.
Mit LibreOffice lassen sich praktisch alle Aufgaben erledigen, die man auch mit MS Office durchführen kann. Die Dateiformate sind weitgehend kompatibel, sodass der Austausch mit anderen problemlos funktioniert. Der vielleicht größte Vorteil: Es gibt keinen Abozwang und die Software kann kostenlos genutzt werden. Thunderbird ist eine großartige OpenSource Alternative zu Outlook und sendet vor allem auch keine Daten beim Mailabruf an Microsoft wie es Outlook mittlerweile macht.
Mit Linux Mint wird außerdem direkt Firefox als Browser mitgeliefert, der deutlich zurückhaltender beim Sammeln von Nutzerdaten ist als beispielsweise Microsoft Edge oder Google Chrome.
Ich nutze jedoch überwiegend Vivaldi. Mir ist bewusst, dass dies ein kleiner Kompromiss in Sachen Souveränität ist: Vivaldi ist nicht vollständig Open Source und basiert auf der Chromium-Engine (die maßgeblich von Google entwickelt wird). Dennoch bietet er mir durch den integrierten Werbe- und Trackingblocker sowie die enorme Anpassbarkeit einen deutlich höheren Schutz meiner Privatsphäre als herkömmliche Browser. Auf lange Sicht werde ich wohl aber auch dort noch wechseln und zu Firefox zurückkehren.
Linux Mint bin ich dann einige Jahre treu geblieben, bis mich die Neugier gepackt hat und ich mehr über andere Distributionen und deren Eigenheiten lernen wollte. Zwischenzeitlich habe ich daher auch Debian und CachyOS getestet. Aktuell bin ich bei Manjaro gelandet und nutze dieses System nun bereits seit einigen Monaten.
Rückblickend war der Wechsel des Betriebssystems vermutlich der erste große Schritt auf meiner persönlichen Reise zu mehr digitaler Unabhängigkeit und Freiheit.
Entwicklungen bei Windows, die meine Entscheidung bestätigt haben
Nachdem ich bereits zu Linux gewechselt war, sind weitere Entwicklungen bei Windows hinzugekommen, die mich in meiner Entscheidung zusätzlich bestärkt haben.
Ein Beispiel ist die Einführung von Funktionen wie Recall, die regelmäßig Bildschirmaufnahmen erstellen, um Aktivitäten zu rekonstruieren. Auch wenn Microsoft hier sicherheitstechnisch nachgebessert hat, widerspricht ein solches Feature meinem Verständnis von Datensparsamkeit und Privatsphäre grundlegend.
Hinzu kommen zunehmende Hardwareanforderungen, die ältere – eigentlich noch leistungsfähige – Geräte ausschließen, sowie der immer stärkere Zwang zur Nutzung eines Onlinekontos bei Installation und Nutzung des Betriebssystems.
All diese Punkte bestätigen für mich persönlich, dass der Wechsel zu Linux die richtige Entscheidung war. In meinem privaten Umfeld habe ich inzwischen auch einige beim Umstieg beraten und unterstützt. Das Feedback war bisher durchweg positiv – und alle nutzen weiterhin Linux.
Cloudspeicher: Warum ich meine Daten stärker selbst kontrollieren wollte
Ein weiterer Bereich, der mich zum Nachdenken gebracht hat, ist das Thema Cloudspeicher. Viele große Anbieter nutzen gespeicherte Daten zunehmend auch für die Analyse und das Training von KI-Systemen. Selbst wenn dies häufig anonymisiert geschieht, bleibt bei vielen Nutzern ein ungutes Gefühl, wenn persönliche Dokumente oder Fotos Teil solcher Auswertungen werden könnten.
Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, verstärkt auf selbst gehostete Lösungen zu setzen. Heute nutze ich Nextcloud als zentrale Plattform für meine Daten. Mittlerweile läuft eine eigene Nextcloud-Instanz auf meinem Synology NAS zu Hause. Auch wenn das Betriebssystem des NAS selbst herstellergebunden (proprietär) ist, habe ich so zumindest die physische Hoheit über meine Festplatten und Daten.
Ein Backup meiner Daten läuft derzeit noch verschlüsselt auf Google Drive, soll aber perspektivisch zu Ionos umziehen. Durch den Standort Deutschland unterliegt dieser Speicher den strengen europäischen Datenschutzregeln, was die Abhängigkeit von US-Anbietern und deren Rechtsraum (wie dem Cloud Act) massiv reduziert. Ein zusätzlicher Vorteil: Kontakte und Kalender laufen inzwischen ebenfalls über Nextcloud und nicht mehr über Google.
Soziale Netzwerke und Messenger – mehr Kontrolle über Kommunikation
Auch im Bereich soziale Netzwerke und Messenger habe ich meine Nutzung in den letzten Jahren zunehmend hinterfragt.
Viele große Plattformen arbeiten stark mit Algorithmen, die entscheiden, welche Inhalte mir überhaupt angezeigt werden. Dadurch entsteht schnell eine gefilterte Wahrnehmung der Inhalte – und man sieht längst nicht mehr alles, was die eigenen Kontakte tatsächlich veröffentlichen.
Hinzu kommt die umfangreiche Datenauswertung durch große Plattformbetreiber wie META. Diese beschränkt sich nicht nur auf Aktivitäten innerhalb der Plattformen selbst, sondern kann auch Daten von vielen Drittwebseiten einbeziehen.
Auch bei Messengern gibt es berechtigte Fragen zum Umgang mit Metadaten. Selbst wenn Inhalte verschlüsselt sind, können Anbieter häufig nachvollziehen, wer mit wem, wann, wie oft und von wo kommuniziert.
Ein weiterer Gedanke, der mich beschäftigt hat, ist die mögliche politische oder wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Diensten. In einer zunehmend angespannten geopolitischen Lage erscheint es zumindest denkbar, dass bestimmte Dienste eingeschränkt oder sogar abgeschaltet werden könnten.
Welche Alternativen ich heute nutze
Als Konsequenz daraus habe ich begonnen, alternative Plattformen zu nutzen.
Im Bereich Social Media bin ich inzwischen bei Mastodon und Pixelfed aktiv. Beide sind Teil des sogenannten Fediverse, also eines offenen Netzwerks miteinander verbundener Plattformen.

Für Messenger-Kommunikation nutze ich mittlerweile Fluffy beziehungsweise Element, die auf dem Matrix-Protokoll basieren. Auch hier betreibe ich inzwischen einen eigenen Matrix-Server zu Hause.
Aktuell nutze ich noch eine sogenannte „Bridge“, um Nachrichten von WhatsApp und Signal in meine Matrix-App weiterzuleiten. Das ist eine komfortable Übergangslösung, aber mir ist klar: Solange die Bridge zu WhatsApp aktiv ist, behält der Meta-Konzern weiterhin den Einblick in die Metadaten (wer kommuniziert wann mit wem). Langfristig ist es daher mein Ziel, diese Brücken abzubauen und die Kommunikation vollständig auf freie Protokolle zu verlagern.
Fazit: Digitale Souveränität ist ein Prozess
Die Beschäftigung mit digitaler Souveränität hat bei mir in den letzten Monaten zu einigen Veränderungen geführt – sowohl technisch als auch im persönlichen Nutzungsverhalten. Viele dieser Schritte sind zunächst aus Neugier entstanden, haben sich im Laufe der Zeit aber als sinnvoll und nachhaltig erwiesen.
Dabei geht es aus meiner Sicht nicht darum, jede große Plattform oder jeden bekannten Dienst grundsätzlich abzulehnen. Vielmehr geht es darum, sich bewusst zu machen, welche Rolle digitale Dienste in unserem Alltag spielen und welche Alternativen es gibt.
Digitale Souveränität ist kein Zustand, den man von heute auf morgen erreicht. Es ist eher ein Prozess – ein schrittweises Hinterfragen der eigenen digitalen Gewohnheiten und ein langsames Erhöhen der eigenen Unabhängigkeit.
Für mich persönlich war diese Reise sehr spannend und lehrreich. Vielleicht konnte dieser kleine Einblick auch den einen oder anderen Leser dazu anregen, sich ebenfalls ein wenig intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Und keine Sorge: Im nächsten Artikel auf diesem Blog wird es dann wieder um das gehen, worum es hier eigentlich immer geht – Astronomie und den Blick in den Sternenhimmel.
Ein wichtiger Gedanke zum Schluss: Freiheit braucht Unterstützung
Ein Punkt ist mir noch besonders wichtig: Ich habe im Text immer wieder erwähnt, dass viele dieser Programme und Plattformen kostenlos nutzbar sind. Das ist ein riesiger Vorteil, doch „kostenlos“ bedeutet nicht, dass die Entwicklung kein Geld oder keine Zeit kostet.
Open-Source-Projekte wie Linux, LibreOffice oder Mastodon leben nicht von riesigen Werbebudgets, sondern vom Engagement einer weltweiten Gemeinschaft. Sie sind auf Unterstützung angewiesen, um unabhängig und sicher zu bleiben. Das Schöne daran ist: Jeder kann sich einbringen!
Spenden: Viele Projekte freuen sich über kleine Beträge (z. B. den Gegenwert eines Kaffees im Monat), um Serverkosten oder Entwickler zu finanzieren.
Mitarbeit: Man muss kein Programmierer sein. Auch das Schreiben von Dokumentationen, das Übersetzen von Texten oder schlicht das Melden von Fehlern hilft enorm.
Weitersagen: Allein dadurch, dass ihr diese Tools nutzt und anderen davon erzählt, stärkt ihr das Ökosystem.
Digitale Souveränität ist also nicht nur ein persönlicher Gewinn, sondern auch eine Gemeinschaftsaufgabe. Wenn wir die Werkzeuge unterstützen, die uns Freiheit ermöglichen, sorgen wir dafür, dass sie auch in Zukunft für alle da sind.
Wie seht ihr das Thema digitale Souveränität?
Nutzt ihr bereits alternative Dienste oder habt ihr euch damit bisher noch nicht beschäftigt?
Schreibt es gerne in die Kommentare.




