WHAT am 23.08.2025

Platz auf dem WHAT
Lesedauer 4 Minuten

In Vertre­tung für Matthias, der krankheits­be­d­ingt nicht zum West-Havel­län­der Astrotr­e­ff (WHAT) kom­men kon­nte, schreibe ich (Denis aka Lucius) heute aus­nahm­sweise einen kleinen Beitrag zum großen Astro-Event im Nor­den der Repub­lik, das sich Jahr um Jahr als beson­ders beliebt erweist. Ja, selb­st bei schlecht­en Wet­terbe­din­gun­gen, denn auch dieses Jahr war der ehe­ma­lige Sport­platz m idyl­lis­chen Dör­fchen Gülpe gefüllt mit Zel­ten und Wohn­wa­gen, in denen Astro-Enthu­si­as­ten aushar­rten, in der Hoff­nung, klare Sicht auf den Him­mel zu bekom­men. Geduld ist eine Zier, heißt es doch so schön. Da kann es im Ster­nen­park West­havel­land noch so dunkel sein, wenn das Wet­ter nicht mit­spielt, bleiben die Teleskope verschlossen.

Das WHAT fiel zwar nicht kom­plett ins Regen­wass­er, wie vor ein paar Jahren, aber die meiste Zeit über war es doch so bewölkt, dass kaum Freude aufkam. Einzige Aus­nahme: Der Sam­stag, der zwar zur Mit­tagsstunde einige kurze Ergüsse aggres­siv­en Platzre­gens mit­brachte (und gegen 16 Uhr etwas Niesel), aber ab etwa halb fünf klares Wet­ter versprach.

Und so kam es dann auch – kein Wölkchen am Him­mel, stattdessen strahlen­des Blau über Stun­den hin­weg, ein wun­der­bar­er Son­nenun­ter­gang und ungestörte Sicht bis in den frühen Mor­gen des Son­ntags hinein. Das See­ing war jeden­falls phänom­e­nal und wurde von etlichen far­ben­fro­hen Stern­schnup­pen begleit­et. Aber dazu später mehr.

Da ich selb­st auf­grund der Wet­ter­lage einen Teil meines Aufen­thalts absagte und erst am Sam­stag zum WHAT fuhr, kann ich lei­der nichts über den ersten Teil des Astrotr­e­ffs sagen. Bei mein­er Ankun­ft am Sam­stag traf ich allerd­ings auf gemis­chte Stim­mungen. Don­ner­stag- und Fre­ita­gnacht gab es wohl kurze Wolken­lück­en, die aber wenig Befriedi­gung für Ster­nen­guck­er hin­ter­ließen. Am Sam­stag war es hinge­gen sehr windig, und obwohl Wet­ter-Apps gute Bedin­gun­gen voraus­sagten, war noch nicht klar, wie der Abend ver­laufen würde. Neun Grad Cel­sius in der Nacht sprachen für erhöhte Tau-Ansamm­lun­gen durch die Luft­feuchtigkeit. Zudem waren solche Tem­per­a­turen eine Ansage, wenn man bedenkt, dass wir in den Jahren zuvor teil­weise in T‑Shirts draußen saßen.

Das Programm des WHAT 2025

Wie üblich gab es gute Verkös­ti­gung mit Kaf­fee, Kuchen und später Gegrilltes vom lokalen Fleis­ch­er – und natür­lich das leckere Radler namens Astra Kiezmis­che. Für mich fast schon Grund genug, dort aufzu­tauchen. Par­al­lel dazu fan­den im großen Zelt Vorträge statt.

Vortrag
Vor­trag

Sic­co Bauer ver­schaffte uns Ein­blick in die Ergeb­nisse des Bürg­er­wis­senschaft­spro­jek­ts zur Erfas­sung kün­stlich­er Beleuch­tung, was natür­lich ger­ade in Hin­blick auf die Erfolge des Ster­nen­parks West­havel­land eine inter­es­sante Anek­dote abgab. Anschließend führte uns Dr. Andreas Hänel in seine Recherche zur Son­nen­fin­ster­n­is in Spanien ein, die näch­stes Jahr stat­tfind­en wird. Dabei ging er vor allem auf attrak­tive Ortschaften für die Beobach­tung ein, und warum es wenig Sinn ergibt, in den Nor­den Spaniens zu fahren, oder nach Mal­lor­ca zu fliegen, wenn man die Son­nen­fin­ster­n­is in ihrer vollen Pracht erleben will. „Aben­teuer Nacht­fo­tografie auf La Pal­ma“ lautete der selb­sterk­lärende der Titel des drit­ten und let­zten Vor­trags von Tom Radzi­will. Wie üblich ein inter­es­santes und kurzweiliges Pro­gramm für alle Besuch­er, direkt vor dem Hauptevent: der nächtlichen Beobachtung.

Frühe Nachtstunden mit Stolperfallen

Kurz vor Son­nenun­ter­gang holten viele ihre Son­nen­fil­ter her­vor, um schöne Bilder von unserem lokalen Wärme­spender zu erhaschen. Für mich war das allerd­ings die erste große Ent­täuschung des Tages, denn mein Smart-Teleskop (Vao­nis Ves­pera) ver­weigerte den Dienst mit seinem pro­pri­etären Son­nen­fil­ter. Ein los­er Pin an der Fas­sung für das ansteck­bare Fil­ter-Mod­ul ver­hin­derte, dass die Soft­ware das Mod­ul anerkan­nte – was wiederum ver­hin­derte, das Gerät in den Solar-Modus zu schal­ten. Da das kleine Start-Up Vao­nis in Frankre­ich sitzt, wird mich eine Reparatur wahrschein­lich ein Ver­mö­gen kosten, obwohl nur ein klein­er Pin lose ist. Ärgerlich.

Immer­hin: nor­male Deep-Sky-Fotografie war damit noch immer möglich, wobei das Gerät sich zuerst falsch kalib­ri­erte und ich somit 45 Minuten lang sinn­los ver­suchte, Objek­te anzu­visieren. Erst ein Neustart brachte Erlö­sung. Inzwis­chen kämpfte meine Beglei­t­erin Jule mit ihrem Dwarf II, das zwar Objek­te fand, aber schlechte Gain- und Belich­tungswerte über­nahm, die erst fum­melig manuell angepasst wer­den soll­ten. Schöne neue Smart-Teleskop-Welt. Sie ist eben doch nicht so bequem und sor­gen­frei, wie man sich das ausmalt.

M13
M13 Herkuleshaufen

Den­noch kam ich zu schö­nen Bildern. Wie üblich holte ich mir zuerst einen Ein­druck des Stern­haufens M13, weil das in ein­er Vier­tel­stunde erledigt ist. Auf­grund des fan­tastis­chen See­ings kam ein her­vor­ra­gen­des ges­tack­tes Bild dabei her­aus. Anschließend ver­suchte ich mich am Dop­pel-Clus­ter im Perseus h Per­sei (NGC 869) und Chi Per­sei (χ Per­sei, NGC 884) sowie Her­schels Spi­ral­haufen im Stern­bild Kas­siopeia (NGC 7789). Auch diese Bilder gelan­gen her­vor­ra­gend. Für den Der Nor­dameri­ka-Nebel (NGC 7000) im Stern­bild Schwan wären län­gere Auf­nah­men von­nöten gewe­sen, um etwas mehr Kon­tras her­auszu­holen. Doch genau wie beim Cir­rus­nebel (NGC 6960) hat­te ich mich beim Ver­such, gute Mosaik-Auf­nah­men zu machen, zeitlich etwas über­nom­men. Beim näch­sten Mal set­ze ich diese Objek­te an den Anfang mein­er Liste.

Saturn im Fokus (oder auch nicht)

Für viele Besuch­er des WHAT hat­te der Sat­urn eine beson­dere Anziehungskraft, da der Kan­ten­blick auf die Ringe nur alle 13 Jahre sicht­bar wird. Zudem würde er genau an diesem Tag die höch­ste Posi­tion in seinem diesjähri­gen Zyk­lus am Ster­nen­him­mel ein­nehmen und par­al­lel mit Nep­tun auf sein­er Bahn entlangfahren.

Die Bedin­gun­gen zur Beobach­tung waren fan­tastisch. Die klir­rende Kälte sorgte zwar für Tau und häu­fi­gen Beschlag auf den Teleskopen, doch dafür gab es so gut wie keine Ver­wirbelun­gen am Him­mel, sodass man den Sat­urn und seinen Begleit­er Nep­tun in ein­er unglaublichen Schärfe sehen konnte.

Auch ich genoss diesen Anblick mith­il­fe meines Cele­stron Nex­tar 8 SE. Doch als ich Auf­nah­men mit mein­er neuen Plan­etenkam­era machen wollte, kam die zweite Ent­täuschung des Abends auf, denn die Nach­führung per StarSense Auto-Align-Kam­era ver­lief so unzu­ver­läs­sig, dass ich den Tra­ban­ten nie lange genug in den Fokus bekam, um ihn schar­fzustellen. Trotz der Hil­fe zweier erfahren­er Ster­nen­fo­tografen kamen wir zu keinem Ergeb­nis. Ich muss unbe­d­ingt einen Weg find­en, die Kalib­rierung des Go-To-Sen­sors zu löschen, nur gibt es dazu nichts im Netz, und das Teleskop bietet keine Option für eine Neu-Kalib­rierung an. Ich muss wohl mit Cele­strons Kun­denser­vice Kon­takt aufnehmen.

Darum war für mich die Nacht um vier­tel nach drei zu Ende – wie für die meis­ten, die auf­grund der Kälte und ds immer stärk­er wer­den­den Taus die Segel strichen. Leicht gefrustet gings in Bett, wobei die Kälte sich als echter Härtetest für meinen Schlaf­sack her­ausstellte. Er bestand ihn, aber es gab wahrlich angenehmere Nächte beim WHAT. Ich hoffe jeden­falls auf wärmere Tem­per­a­turen im näch­sten Jahr. Das ich wieder hin­fahren werde, sofern das Wet­ter halb­wegs mit­spielt, ste­ht allerd­ings außer Frage.

Denis Lucius Brown

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  • what_4: Denis Lucius Brown
  • M13: Denis Lucius Brown
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