Vogelsberg am 14.08.2021

Vogelsberg am 14.08.2021

Lesedauer 5 Minuten

Dieses Jahr ist kein ein­fach­es für alle Hob­byas­tronomen da draußen. Die ständi­ge Bewölkung und das durchwach­sene Wet­ter drück­en nicht nur aufs Gemüt wenn es Tag ist, son­dern ver­hin­dern auch die Beobach­tungsabende. Wie oft habe ich hier auf meinem Blog schon geschrieben, dass ich lange warten musste ehe ich wieder zum Beobacht­en raus­fahren durfte, aber dieses Jahr schlägt alles. Wer meinen Blog regelmäßig ver­fol­gt weiß, das ich das let­zte Mal in diesem Jahr im Feb­ru­ar unter­wegs war. Das entspricht einem hal­ben Jahr in dem es nicht möglich war dem schön­sten Hob­by der Welt nachzuge­hen. Um so glück­lich­er bin ich nun, dass es am ver­gan­genen Woch­enende endlich wieder gepasst hat. Nach kurz­er Rück­sprache in unser­er Astro­gruppe Offen­bach stand fest, dass ich mich auf jeden Fall dort oben mit Andi tre­f­fen würde und ein paar weit­ere aus unser­er Gruppe woll­ten evtl. noch dazu stoßen.

Um halb acht habe ich mich dann also in mein Auto geset­zt und bin, in voller Vor­freude auf die Nacht, in Rich­tung Vogels­berg aufge­brochen. Lei­der musste diese dann unter­wegs etwas Unmut über die ganzen Umleitun­gen weichen, die mich lock­er 20 Minuten mehr Fahrzeit gekostet haben. Ziem­lich gen­ervt von diesen Umleitun­gen kam ich dann am Zielort an und traute meinen Augen kaum. Der ganze Platz stand voll mit Wohn­mo­bilen und ich hat­te schon die Befürch­tung, dass hier in der Nacht nicht mit der son­st üblichen Ruhe und Dunkel­heit zu rechen sei. Beim Auf­bauen stellte sich jedoch her­aus, dass alle Leute dort oben sehr am The­ma Ster­nen­him­mel inter­essiert waren.  Somit blieb die befürchtete Beleuch­tung in der Nacht aus und wir haben unseren inter­essierten Zuhör­ern einiges an unserem Nachthim­mel zeigen und erk­lären können. 

Die ersten Beobachtungen des Abends

Nach dem fer­ti­gen Auf­bau begann ich meine Beobach­tun­gen zunächst mit dem Mond, da dieser noch zu sehen war und auch immer einen Besuch wert ist. Hier zeigte sich schon das gute See­ing an diesem Abend. Es war so gut wie kein Flim­mern an den Kratern zu erken­nen. Selb­st bei hoher Ver­größerung blieb das Bild im Oku­lar gestochen scharf. Im Anschluss an den Mond war Sat­urn an der Rei­he. Die Ringteilung war lei­der noch nicht zu erken­nen, da er noch etwas zu tief am Hor­i­zont stand. Dafür sollte diese dann im späteren Ver­lauf nochmal deut­lich zu sehen sein. Es war zwar noch recht hell, aber das Stern­bild Leier war nun bere­its schon schwach zu erken­nen. Also war das näch­ste Objekt dann logis­cher­weise der Ringnebel M57. Auf­grund der noch fehlen­den Dunkel­heit zeich­nete er sich noch nicht so deut­lich vom Hin­ter­grund ab, aber es war nach dieser lan­gen Pause trotz­dem wun­der­schön ihn wieder mal zu sehen. 

Nun zogen zu unserem Entset­zen doch aber tat­säch­lich einige Wolken über den Him­mel. Ein Blick in den Hor­i­zont zeigte aber zum Glück, dass nach dieser kurzen Wolk­endecke nur noch freier und klar­er Him­mel zu erwarten war. Zwis­chen den Wolken­lück­en ergab sich dann die Möglichkeit den Herkule­shaufen M13 im gle­ich­nami­gen Stern­bild aufzusuchen. Aber auch M13 hat­te auf­grund des immer noch durch das Mondlicht aufge­hell­ten Him­mels noch nicht seine ganze Pracht zu bieten. Im Anschluss an M13 habe ich dann den näch­sten Plan­eten ins Visi­er genom­men. Jupiter stand nun etwas höher als noch zu Beginn des Abends. Die Wolken­bän­der auf der Ober­fläche waren gut zu sehen. 

Wolkenfrei und immer dunkler

Nach dem Jupiter schwenk­te ich mein Dob­son in Rich­tung Stern­bild Kas­siopeia. Hier gab es dann den Eulen­haufen NGC457 und den offe­nen Stern­haufen M103 zu sehen.  Die Eule war dies­mal im Oku­lar vol­lkom­men aufrecht ste­hend zu sehen. Dies machte auch das Erken­nen der Eule für unsere inter­essierten Gäste recht ein­fach. Im Anschluss habe ich dann den Hantel­nebel M27 im Stern­bild Fuchs aufge­sucht. Der Him­mel wurde dank des nun immer weit­er unterge­hen­den Mon­des immer dun­kler und somit war auch der Hantel­nebel mit­tler­weile schon gut zu erken­nen. Vom Stern­bild Fuchs ist es nur ein klein­er Schwenk zum Stern­bild Schwan so dass ich mir hier dann noch den Cir­rus­nebel NGC6960 angeschaut habe. 

Als näch­stes waren die bei­den Dop­pel­sterne Albireo im Schwan und Mizar im Stern­bild Großer Bär an der Rei­he. Im Anschluss fol­gte noch der immer in sat­tem rot leuch­t­ende Granat­stern μ Cephei im Stern­bild Kepheus. Da der Him­mel inzwis­chen recht dunkel war habe ich nun zwei Galax­ien im Großen Bär aufge­sucht. Zum einen die Whirlpool­galax­ie M51 und dann noch die Feuer­radgalax­ie M101. M51 war schon ganz gut zu sehen, aber nicht so detail­re­ich wie im Früh­jahr. Auch bei M101 blieben Details doch recht ver­bor­gen in dieser Nacht. 

Mit dem nun richtig dun­klen Him­mel war klar, dass ich auch M13 im Herkules einen weit­eren Besuch abstat­ten musste. Jet­zt erstrahlte er wieder in der gewohn­ten Pracht und verza­uberte mich wie eigentlich fast immer wenn ich ihn beobachte. Nach M13 habe ich mir dann noch den Kugel­stern­haufen M92 und NGC6229 angeschaut. Auch diese bei­den waren prächtig zu sehen. Ich würde sog­ar sagen, dass ich NGC6229 bish­er noch nie so gut betra­cht­en kon­nte. Er war bei meinen bish­eri­gen Beobach­tun­gen doch immer etwas neb­ulös geblieben. 

Blinkender Nebel, Dreiecksgalaxie und ein nicht gefundenes Objekt

Das näch­ste Objekt ist für mich, trotz mit­tler­weile mehrfach­er Beobach­tung, nicht immer gle­ich auf Anhieb zu find­en. Es han­delt sich hier­bei um den plan­e­tarischen Nebel NGC6826 mit dem Beina­men Blink­ing Neb­u­lar im Stern­bild Schwan. Durch seine Eigen­schaft nur sicht­bar zu wer­den, wenn man den Zen­tral­stern nicht direkt anschaut ist er nicht immer auf Anhieb zu find­en. Für mich auch immer ein tolles und faszinieren­des Objekt. 

Im Anschluss an den Blink­ing Neb­u­lar machte ich Halt im Stern­bild Dreieck um die Dre­icks­galax­ie M33 aufzusuchen. Obwohl ich bish­er visuell doch immer leicht ent­täuscht wurde von dieser Galax­ie schaue ich sie mir immer wieder an. Vielle­icht habe ich irgend­wann die eine Nacht in der sich mir dann die Details dieser eigentlich schö­nen Galax­ie offen­baren.  Danach machte ich einen kurzen Zwis­chen­stopp bei unser­er Nach­bar­galax­ie M31 um im Anschluss nach rechts in Rich­tung  Pega­sus zu schwenken. Hier beobachtete ich den Kugel­stern­haufen M15

Im Stern­bild Pega­sus ver­suchte ich mich nun an dem plan­e­tarischen Nebel PK-104–29.1 oder auch Jones 1. Mit Hil­fe meines optis­chen Such­ers und laut der entsprechen­den Ster­nenkarte war ich auf jeden Fall an der richti­gen Stelle. Lei­der kon­nte ich Ihn nicht sehen. Ich hat­te mich aber auch im Vor­feld nicht informiert was ich zu erwarten habe. Das macht es oft schwieriger. Es wird aber auf jeden Fall einen weit­eren Ver­such geben.

Mein näch­stes Objekt in dieser Nacht war dann der kleine Hantel­nebel M76 im Stern­bild Perseus. Danach habe ich mir dann im Stern­bild Giraffe Kem­bles Kaskade und den an deren Ende ste­hen­den offe­nen Stern­haufen NGC1502 angesehen. 

8000 Jahre alt und wunderschön

Mit­tler­weile stand der Schwan weit oben am Zen­it so dass ich mir hier nochmals den Cir­rus­nebel angeschaut habe. Die feinen Struk­turen haben sich nun wesentlich deut­lich­er vom Him­mel abge­hoben als zu mein­er anfänglichen Beobach­tung. Dieser Über­reste ein­er Super­no­va vor ca. 8000 Jahren sind defin­i­tiv immer einen Besuch wert. Nicht ganz so spek­takulär aber trotz­dem schön anzuse­hen ist der Klei­der­bügel­haufen Cr399 im Stern­bild Fuchs. Diesen sehe ich am besten in meinem optis­chen Such­er. Nicht weit davon ent­fer­nt im Stern­bild Pfeil habe ich dann noch den Kugel­stern­haufen M71 beobachtet.

Im Osten tauchte nun das Stern­bild Sti­er auf und mit ihm natür­lich auch die Ple­jaden. Diese dür­fen in ein­er Beobach­tungsnacht natür­lich nicht fehlen. Also habe ich mir diese natür­lich auch angeschaut. Danach schwenk­te ich nochmals in die andere Rich­tung um und habe im Stern­bild Leier den offe­nen Stern­haufen Stephen­son 1 beobachtet. Nun wollte ich im Stern­bild Perseus den plan­e­tarischen Nebel IC2003 beobacht­en. Laut mein­er Ster­nenkarten eigentlich ein ein­fach zu find­en­des Objekt. Lei­der habe ich auch diesen nicht sehen kön­nen. Ich muss wohl auch bei diesem plan­e­tarischen Nebel zunächst ein­mal nach­schauen was ich zu erwarten habe.

Zum Abschluss eine Rose am Himmel

Mein näch­stes Objekt war dann der offene Stern­haufen NGC7789 oder auch Car­o­lines Rose genan­nt. Seinen Namen ver­dankt dieser tolle Stern­haufen seinem visuellen Ausse­hen. Er ähnelt einem Muster aus Rosen­blät­tern.  Der Stern­haufen befind­et sich im Stern­bild Kas­siopeia. Hier habe ich mir dann auch noch die Stern­haufen NGC129, NGC654 und NGC663 angeschaut. 

Zum Abschluss des Abends gab es dann nochmal Jupiter. Durch seinen hohen Stand am Him­mel war er nun noch viel bess­er zu sehen als bei der ersten Beobach­tung in dieser Nacht. 

Gegen vier Uhr am Mor­gen haben wir dann bei­der unsere Aus­rüs­tung abge­baut und sind die Heim­reise ange­treten. Es war eine wirk­lich tolle Beobach­tungsnacht und wir haben erneut einige nette Men­schen ken­nen­gel­ernt. Nun hoffe ich, dass die näch­ste Nacht nicht wieder sechs Monate auf sich warten lässt.

 

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