Weibersbrunn am 23.05.2026

Spontane Pfingstnacht im Spessart
Am Pfingstwochenende sollte das Wetter endlich mal wieder gut werden und der Himmel in der Nacht klar sein. Also haben mein Sohn und ich uns dazu entschlossen, diese Gelegenheit trotz des fast unübersehbaren Halbmonds zu nutzen, um mal wieder gemeinsam unserem astronomischen Hobby nachzugehen. Da an diesem Wochenende jedoch eine weitere große Leidenschaft von uns stattfand – die Formel 1 –, konnten wir erst nach dem Qualifying in Kanada losfahren. Daher entschieden wir uns für die kürzere Strecke nach Weibersbrunn. Aus unserer Astrogruppe hat sich uns spontan noch Mark angeschlossen. Da wir uns schon länger nicht mehr gesehen hatten, habe ich mich sehr gefreut, ihn heute mal wieder zu treffen.
Effizienter Aufbau in guter Gesellschaft
Als wir gegen 0 Uhr in Weibersbrunn ankamen, war Mark ebenfalls gerade eingetroffen. Wir haben dann zunächst das Seestar aufgebaut und das Ziel eingerichtet, damit wir uns später nicht die Dunkeladaption der Augen versauen. Danach ging es direkt mit dem Aufbau des 16-Zoll-Dobsons weiter. Mark hatte heute nur sein kleines Teleskop dabei, da er nicht ganz so lange bleiben konnte.
Galaxienfrust und Kugelsternhaufen-Pracht im Herkules

Die ersten Objekte des Abends waren die beiden Galaxien M81 und M82 im Sternbild Großer Bär. Aufgrund des doch recht hellen Mondes blieben diese leider weit unter ihren Möglichkeiten zurück. Dankbarer zeigten sich da schon die nächsten Objekte: Der Herkuleshaufen M13 im gleichnamigen Sternbild war trotz des hellen Mondlichts ein toller Anblick – so richtig enttäuscht hat er mich eigentlich noch nie. Auch M92, ein weiterer Kugelsternhaufen im Herkules, war herrlich anzusehen. All diese Objekte habe diesmal nicht ich eingestellt, sondern Ben. Das klappt bei ihm mittlerweile schon richtig gut!
Ein Mäusegesicht im All
Das nächste Objekt habe ich dann wieder übernommen, da es nicht ganz so einfach zu finden ist, wenn man nicht genau weiß, wonach man Ausschau halten muss. Da wir immer noch im Herkules unterwegs waren, haben wir natürlich das „Mäusegesicht“ NGC 6229 beobachtet. Dieser Kugelsternhaufen sieht aufgrund seiner enormen Entfernung von rund 100.000 Lichtjahren wesentlich kleiner aus als seine prominenten Nachbarn. Zusammen mit zwei Sternen in seiner Nähe bildet er ein markantes Dreieck. Dieses Dreieck ähnelt einem Mäusegesicht, wobei NGC 6229 die Nase darstellt.
Sommerhimmel-Klassiker in Leier und Schwan
Weiter ging es danach in den Sternbildern Leier und Schwan. Zunächst haben wir in der Leier den Ringnebel M57 und den Kugelsternhaufen M56 beobachtet. Gegen M92 und M13 hat dieser Kugelsternhaufen jedoch keine Chance; er ist bei Weitem nicht so dicht und groß wie seine Mitstreiter. Im Schwan haben wir uns dann den wunderschönen Doppelstern Albireo angeschaut. Einer der beiden Sterne leuchtet in einem warmen Gelb-Orange-Ton, während der andere tiefblau am Himmel funkelt.
Vom Kleiderbügel zum Nebel-Frust
Was auf der Tour natürlich auch nicht fehlen durfte, ist der Kleiderbügelhaufen Cr399. Dieser Asterismus liegt im Sternbild Fuchs und ist am besten mit dem Fernglas zu beobachten. Ebenfalls im Fuchs zu finden ist der Hantelnebel M27, den wir uns im Anschluss natürlich auch noch angesehen haben. Danach kehrten wir noch einmal zum Schwan zurück, um den Kühlturmhaufen M29 zu beobachten. Schließlich ging es mit dem OIII-Filter am Okular in Richtung Cirrusnebel. Leider war dieser heute extrem schlecht zu sehen. Der durch den Mond leicht aufgehellte Himmel und ein feiner Dunstschleier haben dem Nebel leider jeglichen Kontrast geraubt.
Ein runder Abschluss und das Seestar im Dauereinsatz
Zum Abschluss des Abends standen dann noch der Eulenhaufen NGC 457 im Sternbild Kassiopeia und der Kugelsternhaufen M3 im Sternbild Jagdhunde auf dem Programm. Mittlerweile war es auch bereits kurz nach 3 Uhr und aufgrund der Bedingungen machte es wenig Sinn, noch länger zu bleiben. Wir haben uns dann an den Abbau gemacht, während das Seestar noch munter weiterbelichten durfte. Das Ergebnis der Aufnahme von der Sonnenblumen-Galaxie (M63) seht ihr weiter unten.
Es war mal wieder herrlich, eine Nacht unter freiem Himmel mit dem Teleskop und in guter Gesellschaft zu verbringen. Ich freue mich bereits jetzt auf das nächste Mal!
Gerne kannst Du weiter unten einen Kommentar hinterlassen. Konstruktive Kritik ist natürlich genauso willkommen wie positive Kommentare. Vielleicht hast Du ein Objekt aus diesem Bericht ebenfalls schon beobachtet und möchtest Deine Beobachtungen dazu hier teilen.











































































































Nach etwas Stau auf der Anreise kamen wir gegen 15:15 Uhr in Stumpertenrod an. Das Gelände war bereits gut besucht, da heute auch das regelmäßige Neumondtreffen stattfand. Zunächst bauten wir das Zelt, Tische, Stühle und den Grill auf. Den Grill nutzten wir gleich, um unser Abendessen zuzubereiten, und genossen anschließend in Ruhe das Essen. Danach bauten wir unser 16-Zoll-Dobson-Teleskop und das kleine 6-Zoll-Maksutov von Skywatcher auf. Mit dem 6-Zoll-Teleskop und dem selbst gebauten Sonnenfilter beobachteten wir zunächst die Sonne.












































Zwischendurch kam ich immer wieder mit anderen Sternfreunden ins Gespräch, die an meinem Dobson-Teleskop stehen blieben. So lernte ich unter anderem den ehemaligen langjährigen Leiter des Berliner Planetariums kennen und auch Mario Keller, der am Nachmittag einen Vortrag über smarte Teleskope halten sollte. Wir tauschten uns bereits vorab über smarte Teleskope aus. Unter anderem erzählte er mir von einem Projekt eines Engländers, der weltweit dazu aufruft, alle Aufnahmen eines bestimmten Objekts zu sammeln und zu einer einzigen Aufnahme zusammenzuführen, um möglichst viel Belichtungszeit zu erreichen.
Im Anschluss folgte ein Vortrag von Thomas Becker zum Thema "10 Jahre Sternenpark Westhavelland". Er berichtete von den Anfängen und den Bemühungen, gegen die Lichtverschmutzung in den Gemeinden und den angrenzenden Industrieanlagen vorzugehen. Natürlich gab es auch aktuelle Entwicklungen zu berichten, wie die Errichtung des Beobachtungsplatzes direkt am Sportplatz Gülpe oder seine Suche nach Fragmenten des Meteors von Ribbeck. Nach diesen beiden informativen Vorträgen gab es eine Pause zum Essen, da der Grillwagen mittlerweile eingetroffen und einsatzbereit war.


Gegen Abend zog leider immer mehr Bewölkung auf, was in der ursprünglichen Vorhersage nicht so angegeben war. Aber so ist das mit den Wettervorhersagen. Ich hoffte dennoch, dass es in der Nacht noch aufklaren würde. Zunächst konnten wir hier auf dem Platz jedoch einen wirklich beeindruckenden Sonnenuntergang beobachten. Auf dem Foto links kann man vielleicht erahnen, wie schön dieser in Wirklichkeit war. Dennis hatte sich inzwischen auch auf den Weg gemacht und wollte gegen 21:30 Uhr auf dem Platz ankommen. In der Zwischenzeit gab es tatsächlich ein paar freie Stellen am Himmel, und ich konnte in dieser kurzen Zeitspanne wenigstens den Ringnebel M57 im Sternbild Leier und den Herkuleshaufen M13 beobachten. Beide waren jedoch aufgrund der schlechten Bedingungen nicht besonders beeindruckend.


